Hallo ihr Lieben
Ich weiß gar nicht mehr, wann ich euch das letzte Mal berichtet habe…aus Italien? Mir ist jegliches Zeitgefühl abhanden gekommen. Ich denke lediglich von Tag zu Tag, von Ziel zu Ziel. Selbst die Anzahl der Etappe ist mit irgendwie entfallen.
Sonntag bin ich in Paris, das weiß ich!
Meine Güte Paris…dazu später mehr!
Im Moment bin ich erstmal in ähhh…Thiers. Ein kleiner Ort kurz vor Clermont-Ferrand. Damit also zurück in der Auvergne, kaum zu glauben. Vor noch nicht mal drei Wochen bin ich hier schon mal fast langgefahren und da war ich total gespannt, wie es ist, wenn ich auf dem Rückweg wieder hier vorbei komme. Nun ist es also soweit, und ich bin auf dem Rückweg. Glauben kann ich es allerdings selbst noch nicht richtig. Wo ich vor meiner Abreise schon ziemlich Respekt vor hatte, nämlich nach Paris zu fahren mit dem Auto, da bin ich nun voller Vorfreude! Wenn man in den letzten Wochen etwas gelernt hat, dann ist das Autofahren J…ich hab mich also an die Hauptstadt angetastet, und werde mir das nun auf keinen Fall nehmen lassen, mit unserer Beule (Auto) zur Champs-Elysée zu fahren. Die Presseparkplätze liegen nämlich genau da. Ich will auf jeden Fall das Feeling mitnehmen, wenn halb Paris auf den Beinen ist, um die Helden zu empfangen. Außerdem gehe ich davon aus, dass Bernhard Kohl das Bergtrikot behält, den Moment will ich ebenfalls erleben.
Gestern und heute durfte ich ganz Fan sein J. Gestern stand ich unterhalb von Alpe d’Huez und habe mir das Treiben in Bourg d’Oisans angeguckt. Unglaublich, diese Menschenmassen. Das muss man wirklich erleben, das kann man nicht beschreiben!
Ich habe ordentlich abgesahnt bei der Werbekarawane. Zudem habe ich eine heiße leckere Pizza gegessen! Endlich mal was vernünftiges…
Mittlerweile ist der nächste Morgen, mein Müsli steht neben mir und gleich werde ich nach Montlucon fahren, um dort heute im Ziel zu sein. Die Hitze hat mich gestern so geschlaucht, ich war außerdem 300 Kilometer gefahren, so dass ich um zehn Uhr bereits halbtot im Schlafsack lag. Heute Nacht hat es dann geregnet. Jetzt ist es bedeckt und es geht ein kleines Lüftchen. Gestern stand ich ja den halben Tag an der Verpflegungsstation und habe die beiden Milram-Masseure bei der Arbeit beobachtet. War sehr spannend. Die Story müsste auch heute noch beim ZDF zu sehen sein.Waren sehr nett die Beiden, aber halt typische Italiener J
Heute wird Kohli wohl sein Bergtrikot sicher haben. Ich kann es gar nicht glauben!
Morgen besuche ich nochmal den Start in Cerilly. Wird ja schon noch spannend morgen! Cadel Evans ist hier übrigens der Einzige, der sich wirklich abschottet. Ich habe ihn zwar schon einige Male gesehen, aber er ist total scheu. Also ich persönlich wurde mich über Schleck (aber der wird es wohl nicht mehr schaffen) oder Sastre eher freuen.
Was hier an Australischen Besuchern rumläuft ist kaum zu glauben. Das ist ein wenig wie zur Armstring-Ära…
Außerdem möchte ich morgen ein letztes Mal ins Village gehen. Vielleicht sehe ich Bernard Hinault nochmal, und kann mir mein T-Shirt signieren lassen. Der Kaffeetante Tschüss sagen, ebenso dem Zeitnehmer, der an den anderen Tagen Chauffeur eines „Offiziellen“ Wagens ist.
Die Teams sind dann morgen Abend alle in Orleans untergebracht. Wer übrigens die romantische Vorstellung hat, dass sie jeden Abend in so tolle Unterkünfte kommen, der liegt komplett daneben. Die örtlichen IBIS-Bunker sind alltägliches Domizil. Manchmal auch das Mercure/Campanile. Aber besser wird es dann nicht mehr…Da kommst du also Nach gut 200 gefahrenden Kilometern in so einen Pappmaché-Bunker (O-Ton Robert Förster), teilst dir das ohnehin sehr enge Zimmer mit einem Kollegen und abends geht’s dann ans hauseigene Buffet…Da diese Hotels eigentlich immer an Autobahnen oder so liegen, ist es außerdem auch nicht wirklich ruhig. Die Parkplätze sind eng und meistens teilen sich diese mehrere Teams. Abends sieht man dann die Busfahrer und Techniker dort rumwirbeln.
Ist schon ein echt hartes Leben! Für einen Etappensieg bekommt man 8.000 Euro! Dieser wird dann im gesamten Team aufgeteilt (also auch Techniker etc.). Bei einem gesamten Team von um 20 Leuten kann man sich dann den Verdienst ausrechnen. Manch einer von uns würde dafür nicht zur Arbeit gehen. Ich freue mich, dass das Team Gerolsteiner in diesem Jahr auch endlich mal ein wenig Kohle scheffelt! Auf der Tour de France wird man nicht reich, zumindest nicht die Fahrer, eher andere.
So ihr Lieben. Eine wirklich tolle und spannende Tour neigt sich dem Ende entgegen…Am Dienstag werde ich bei Hardy und Irene sein, kaum zu glauben. Auf ne Art kommt es mir vor, als wenn ich grad erst weg bin. Das wird sicherlich ganz komisch sein, wieder zu Hause zu sein. Ich führe ja jetzt sowas wie ein Vagabundenleben J
Ich freue mich aber ganz dolle auf die beiden Pappnasen! Auf den Garten, das Häuschen und und und (und ne leckere Lasagne…)
So, vor Ende meiner Reise hört ihr noch von mir. Sorry, dass es mit den Bildern nicht geklappt hat. Vielleicht drehe ich bei der Einfahrt nach Paris einen kleinen Film. Das wird ein Erlebnis, das werde ich nicht mehr vergessen in meinem Leben! Und ich werde bestimmt heulen!
Parken tue ich direkt neben der Champs-Elysée….mitten drin also.
Also ihr Lieben! Bis bald
Bürte