Hallo ihr Lieben!
Nun bin ich in Cholet! Über 2.000 Kilometer bin ich schon gefahren seit dem letzten Dienstag, kein Wunder, das ich so kaputt bin.
Bislang lief auch noch nicht alles nach Plan. Als echtes Problem stellt sich der Internetzugang und damit das verschicken meiner Texte dar! Nun hab ich mich so gut vorbereitet und dann kommt doch alles anders. Im Tour-Pressezentrum muss man für einen Internetzugang bezahlen! Und das nicht zu wenig. Für die gesamten drei Wochen kostet das wohl mehr als 300 Euro!! Bei einem Megaevent wie der Tour, wo soviel Geld drin steckt finde ich das schon wirklich heftig. “Orange” der Telekommunikationsriese verdient sicherlich gut daran. Das bedeutet für mich auch, dass ich das Pressezentrum meide. 1500 Leute haben da Platz an Tischen, das ist mir eh alles viel zu groß. Den einzigen Internetzugang, den ich in Plumelec gefunden habe, der hatte keinen USB-Steckplatz. Da mein Text aber auf dem USB-Stick war, hatte ich also keine Möglichkeit den wegzuschicken. Beim ZDF darf man nur mit internen Geräten ran, und das habe ich ja nicht. Nun muss ich in Notfällen also auf die altbewährte Methode mit dem Handy zurückgreifen, was aber nicht gerade billig ist. Da war das in Afrika einfacher kann ich nur sagen.
Das ganze Prozedere hat mich zudem einen ganzen Tag gekostet…
Dafür habe ich heute Béla getroffen und bin nun mit ihm auf Du… eben noch in der Schweiz beim Fußball, nun schon bei der Tour. Aber der ist doch sonst nicht da, oder? Peter Leissl habe ich leider noch nicht getroffen.
Plumelec wachte am Tourtag auf. Es ist nicht zu beschreiben, was in diesem 1200-Seelen-Dorf über Nacht passiert war. Jedes Geschäft hatte einen Tische draußen und bot seine Waren an, Bierzelte und zahlreiche Grills wurden aufgebaut um die vielen hungrigen und durstigen Mäuler zu stopfen.
Autos, LKWs, Trecker, Radfahrer, Fußgänger - alle quälten sich durch die enge Hauptstraße des Ortes. Und wo am tag vorher noch die Einheimischen waren, um zuzugucken, wie das Ziel aufgebaut wurde, da fanden sich die offiziellen Boutiquen, Getränkebuden, VIP-Zelte etc. Keine Ahnung, wie das über Nacht da alles noch hingekommen war.
Ich war morgens um halb zehn schon am Ziel, da war da schon mächtig Besuch. Jeder wollte sich den besten Platz sichern.
Ich hätte mir niemals vorstellen können, wie das dort aussieht, wenn es voll ist.
Gestern Abend habe ich mich dann in das Nachtleben von Plumelec gestürzt! Ich kenne nun den Bäcker aus dem Nachbarort und auch einen ganz wichtigen Menschen aus Plumelec samt Frau. Einen Weinbauern aus der Nähe von Nantes und das Ehepaar, dass eine der drei Kneipen des Ortes leitet. Das war sehr witzig, alles auf französisch…aber wir haben uns alle irgendwie verstanden. Ein bestes Beispiel, wie die Tour de France die Menschen verbinden kann. Als sie dann verstanden hatten, was ich tue, und was ich normalerweise zu Hause mache (Bücher schreiben), da durfte ich nichts mehr bezahlen, sondern lediglich trinken. Sie waren total stolz darauf, dass ich nun ausgerechnet noch in Plumelec bleibe und mich dort sehr wohl fühle. Und als ich dann auch noch erwähnte, dass ich Fan von En Avant Guingamp bin, da war sowieso alles vorbei. Sollte ich je wieder nach Plumelec kommen, darf ich beim netten Kneipenehepaar übernachten und der Boulanger aus dem Nachbardorf gibt mir umsonst meine Croissants. Das war ein tolles erfüllendes Erlebnis.
Abgerundet wurde es, als die schweren Trucks der Fernsehsender (ja, auch das ZDF) sich einen Weg durch den Ort bahnten und überall Menschen auf die Straße liefen um sie zu verabschieden. Es wurde auf der einen Seite gehupt und auf der anderen wild gewunken. Das war wirklich toll. Fast war es, als sagten die Trucker “Danke Plumelec, es war schön bei dir” und die Einwohner “Danke Le Tour, schön, dass du da warst”.
Das fand ich ziemlich bewegend.
200 Kilometer bin ich nun gefahren und bin in Cholet. Die sportlichste Stadt Frankreichs! Hier ist die Tour schon präsent und wird sehnsüchtig erwartet. Der Campingplatz ist jetzt schon überfüllt und es wird auch langsam international. In Plumelec waren Bretonen zahlreich vertreten, hier sind Engländer, Niederländer, Belgier, Deutsche, Franzosen und Neuseeländer.
Ich werde den rest des Tages ruhig verbringen. Ich hoffe, dass ich irgendwo einen Fernseher finde, damit ich sehe, wer denn heute gewinnt. Das ist wirklich blöd, das bekomme ich gar nicht mit…
Dann gibt es heute endlich einmal was Richtiges zu essen und nicht immer diesen Dosenfrass. Eine dickes Steak liegt in meiner Kühltruhe ;-) Morgen werde ich in Cholet unterwegs sein um eine Geschichte zu finden und am Dienstag morgen gehe ich erstmals in Village. Da sind dann die ganzen wirklich wichtigen Menschen. ;-)
Alles Liebe für Euch und ganz viele Grüße
Bürte