Hallo ihr Lieben!
Eben noch in Plumelec, nun schon in den Pyrenäen… Irgendwie gar nicht recht zu verarbeiten. Ja, sitze in St-Gaudens auf dem Campingplatz und morgen geht es wahrhaftig hinein ins Gebirge mit alle den mythischen Gipfeln.
Heute habe ich zudem den 3.000 Kilometer gefahren!! Durch diese ewige hin und her getuckel fahre ich viel mehr, als ich gedacht hatte. Mal sehen was am Ende unterm Strich da steht.
Nun habe ich auch ein wenig meinen Rhythmus gefunden und der ist reichlich unromantisch. Wer denkt, so eine Tour ist eine gemütliche Urlaubsfahrt, der irrt gewaltig. Morgens um sieben klingelt der Wecker (oder früher), schnell geduscht und ne Tasse Pulverkaffee gemacht. Nebenbei gucke ich mir meine Route aus und suche ein eventuelles Ziel, sprich Campingplatz. Dann geht’s auf die Straße. Irgendwo noch nen Croissant geholt und, falls möglich getankt. Ja, und dann fahre ich den kleinen netten gelben Schildern hinterher, die dem Fahrerfeld die Richtung anzeigen. Häufig lege ich 150 bis 400 Kilometer zurück, gucke vielleicht auch mal abseits der Strecke. Dann eine Geschichte gesucht, dafür muss ich manchmal auch mehrere Leute ansprechen. Nicht jeder ist ja gleich ganz interessant oder hat was interessantes zu erzählen. Vielleicht unterwegs noch schnell was einkaufen, ggf. wieder tanken, dann einen Campingplatz suchen. Da komme ich dann zwischen 16.00 und 18.00 Uhr an. Kaffee oder kaltes Panaché (Alster) trinken, dann Artikel schreiben. Täglich 3.500 Zeichen. Die bekommt Hardy dann noch mal geschickt, liest noch mal drüber, dann geht’s zum ZDF. Dann wird mal gekocht. Meistens melden die vom ZDF sich dann immer nochmal mit aberwitzigen Ideen (Bürte, kannst du nicht mal in xyz gucken, ob… ähhh, hallo, da war ich gestern, bin jetzt aber 300 Kilometer entfernt!...ja, aber könntest du nicht…nein, ich kann nicht!). Gestern rief der zuständige Redakteur nach halb elf an… Tja, und das ist mein Tag. Man sollte mich heute nicht fragen, wo ich gestern war, welcher Tag heute ist, oder gar welche Etappe. Ich weiß gar nichts. Wenn Hardy mich nicht täglich mit den Etappenergebnissen beliefern würde, würde ich rein nichts mitbekommen. Ich hoffe aber nun in den Pyrenäen mal einen Tag an der Strecke zu sein, und dann vielleicht in Hautacam im Ziel. Mal sehen. Ich habe noch nicht mal einen Roman gelsen. Wenn ich abends noch Zeit habe, dann recherchiere ich für mein Buch, oder schreibe dafür. Runterfahren geht auch gar nicht. Aber jetzt, wo sich eine gewisse Normalität eingespielt hat, blühe ich auch wieder auf und eigentlich ist dies auch voll mein Ding! Also das Suchen und Schreiben an sich. Die anderen Nervereien mal abgesehen.
Die Franzosen sind wirklich freundlich. Vor allem, nachdem sie meinen Tour-Aufkleber gesehen haben! Die winken dann, lassen einen gerne auch mal vor, was man beim Autofahren ja so gar nicht von ihnen kennt und sie sind total neugierig und kontaktfreudig. Liegt aber sicherlich auch daran, dass eine Alleinreisende Frau nicht gerade ganz alltäglich ist. Schön für mich, denn ich kann meine Französischkenntnisse täglich auffrischen ;-)
Gestern Abend gab es auf dem Camping wo ich war (tja, wo war das nur?...hmm irgendwo bei Aurillac, glaube ich) einen Aperitif, wo mein Platznachbar kaum locker ließ. Er wollte mich unbedingt dazu bewegen, dass ich doch jetzt auch teilnehmen sollte. Eine wirklich liebe Geste, aber ich war einfach nur Müde…
Außerdem war ich bei meiner Ankunft auf eine Biene getreten…nun habe ich einen dicken Fuß, der mich ein wenig unbeholfen rumlaufen lässt. Naja, das vergeht auch wieder.
So, das waren wieder einmal einige Infos aus dem Nachbarland!
Seid alle lieb gegrüßt!
Bürte